Equipment Wahn bei Fotografen

Equipment Wahn bei Fotografen

Wenn man sich die Profile oder Signaturen in Foren von vielen Fotografen anschaut, dann fällt einem auf, dass immer mehr das eigene Equipment und nicht die eigenen Bilder in den Vordergrund stellen.

Dort wird dann mit der eigenen Kamera und den passenden (lichtstarken) Objektiven geprahlt. Es scheint so, dem Fotografen ist es wichtiger, dass alle Welt weiß, dass Sie für ihr Equipment ein halbes Vermögen ausgeben haben, anstatt mit ansprechenden Fotografien zu überzeugen.

Mir ist letztens wieder ein User in der foto community aufgefallen. In seinem Profil stellt er, sicherlich mit Stolz, seine Vollformatkamera vor und was er alles für tolle Objektive hat. Doch in seinem Foto Stream waren nur ein paar “Makro” Aufnahmen von Blumen zu sehen. Ok, es sind einigermassen schöne Bilder. Doch meine Frau könnte mit ihrer “Knipse” sicherlich genauso gut aussehende Bilder erstellen.

Ja, die Fotografie ist ein teures Hobby. Und dass jemand sein Equipment einer breiten Masse zeigen möchte verstehe ich auch. Doch geht es bei unserem Hobby/Beruf nicht um Bilder und die Wirkungen, die diese auf andere Menschen haben?

Kaum ist ein neuer Kamerabody auf dem Markt, haben viele das Gefühl, ihr alter Body macht plötzlich schlechte Bilder. Den Werbeversprechungen der Kameraherstellern verfallen, wird eine neue Kamera gekauft. “Damit ich endlich bessere Bilder machen kann!”

Vielleicht müssen manche Fotografen auch mit diesem Geltungsdrang etwas kaschieren. Frei nach dem Motto: “Meine Bilder sind zu schlecht. Kaufe ich mir lieber teures Equipment, dann werde ich wenigstens dafür bewundert.”

Auch wenn ich vielleicht mit meinen Aussagen manchen auf dem Schlips getreten bin, bleibe ich dabei. Man sollte mit seinen eigenen Aufnahmen überzeugen und nicht mit der schweren Kameratasche. Wie heißt es in dem so oft zitierten Spruch: “Nicht die Kamera macht das Bild, sondern der, der auf den Auslöser drückt.”

Ich verweigere mich diesem “Upgrade-Zwang” und werde meine Kamera, die vor 5 Jahren auf dem Markt gekommen ist, erst einmal weiterverwenden. Sie ist zwar etwas ISO-schwach, doch damit komme ich in den meisten Situationen zurecht. Und wenn’s mal nicht reicht, dann wird eben kein Bild gemacht.

Punkt.

4 Kommentare

  1. Robby

    Es stellt sich meines Erachtens weniger die Frage um das Equipment. Wenn ich mich auf den gängigen Plattformen umsehe, dann finde ich in erster Linie perfekte Bilder. Vom handwerklichen Standpunkt aus betrachtet. Da sitzt das Licht perfekt, der Fokus optimal, Megapixel noch und nöcher und natürlich ein erweiterter Dynamikumfang. Eben alles, was die High-Tech-Werkzeugkiste hergibt. Und obendrein noch das eine oder andere Sahnehäubchen. Knackige Farben aus Lightroom und ein sauberer Hintergrund dank Photoshop.
    Ich bin über die Professionalität, die diesbezüglich geboten wird, fasziniert und erstaunt, schließlich sind es doch meist Hobbyfotografen, die hier am Werk sind.
    Allerdings finde ich, dass, nicht immer – aber eben oft – dem Handwerklichen zu viel Raum gegeben wird. Zu Lasten der Kunst, der Wahl des Motives, dem Ausdruck im Bild, und dem Rechnungtragen, dass einer schwierigen Aufnahmesituation auch mal ein paar Abstriche an handwerklicher Qualität geschuldet sein dürfen. Ich denke, dieses streben nach Perfektion (der Handwerklichen) entspringt den Möglichkeiten des Equipments – hier treffe ich wieder Simons Thema. Wer tausend Euronen für Bodies, Gläser und Licht investiert hat, tut sich schwer mit einer Unschärfe, so künstlerisch sie auch sein mag.
    Ich selbst, auch wenn ich mich freilich all dem nicht entziehen kann, halte diese Entwicklung an manchen Stellen bereits für bedenklich. Sie entfernt sich mehr und mehr von dem Verständnis des Fotografierens, wie ich es habe – hin zur Hochglanz-Produktdarstellu​ng anstelle von “Lichtmalerei” eines Motives.
    Andererseits finde ich es sehr schön, dass in Kreisen der Hobbyfotografen an vielen Fronten zurück zur Analogfotografie gefunden wird. Teilweise in – im Vergleich zum digitalen Boliden – sehr minimalistischen Ansätzen. Und damit zu einer neuen – oder: traditionellen – Sicht auf Motiv und Fotografie.

    • admin

      Du sprichst mir aus der Seele, Robby. Genau aus diesem Grund habe ich angefangen analog zu fotografieren. Sich Gedanken machen bevor man den Auslöser drückt.

  2. Ich denke es hängt auch immer ein wenig davon ab was und in welchen Bereichen man fotografiert. Ich fotografiere viel Sport und ertappe mich immer wieder dabei wie ich vor dem Schaufenster stehe und in Gedanken schon wieder mehrere Tausend Euro ausgegeben habe. Dabei geht es aber nicht um den Wunsch nach einem Statussymbol, sondern nach einer besseren Performance, um die schnellen Motive noch zuverlässiger abzulichten. Ich denke man muss da ein wenig differenzieren. Was brauche ich wirklich? Und was möchte ich gerne brauchen ;-) Peinlich finde ich es wenn eben jemand nur an der neuesten Technik interessiert ist um andere Menschen damit zu beeindrucken, denn was letztendlich zählt ist das was hinter der Kamera steht, also der Fotograf und der bekommt ja nicht ein besseres Auge und Gefühl nur weil er eine teuere Ausrüstung hat. Ein besserer Mensch wird er dadurch auch nicht. Zur angesprochenen Perfektion der Bilder kann ich folgendes Statement abgeben: Ich bin schwer beeindruckt was heutzutage technisch auch mit geringem (relativ) Aufwand möglich ist und welch hervorragende Qualität erzielt wird. Meiner Meinung nach zeichnen sich derzeit zwei Trends ab: 1)Das Streben nach dem Perfekten (technisch) Bild, d.h. überragende Schärfe, tolle Farben, krasser Look, FineArtPrint Qualität. Und 2)Back to the Roots. Körnung, verschwommene Farben, keine Überschärfe. Obwohl ich mich zu einem Vertreter der 1) Gruppe zählen würde begrüße ich doch beide Entwicklungen und kann beides nachvollziehen. Die Begeisterung für Hochglanz Fotos, sowie die Leute die sich mittlerweile einfach satt gesehen haben an den Perfekten Bildern. Dieser Trend zeichnet sich derzeit auch stark in der Werbung ab. Retro ist in!
    ANMERKUNG: Wenn ich vom perfekten Bild spreche, dann rede ich davon in rein technischer Hinsicht und nicht gestalterisch! Denn der gestalterische und kreative Aspekt hat meiner Meinung nach nichts mit der Bildqualität zu tun!

    Lg Thomas

  3. Oh das kommt mir ja so bekannt vor ;)
    Ich war letztens durch zufall auf einer art seminar wo die leute sich viel ausgetauscht haben und die quintessenz war alle bilder sahen sehr ähnlich und sehr trist aus alles wie aus dem lehrbuch dafür hatte jeder 2. ne 5d III und tausende L objektive die auch schnell zu thema 1 avancierten…
    Eine Photografin hatte mit ner 550D nem kit objektiv und nem 15 euro conrad stativ bilder gemacht die für mich 90% der dort vorgestellten bilder übertrafen…
    Ich hab mir nach ner zeit nurnoch an kopp gepackt weil mir dieser (entschuldigt den ausdruck) Objektiv und Kammera schwanzvergleich mir dermaßen auf die nerven ging…
    Für mich gilt die Creativität und der Charm eines jeden bildes und damit gilt für mich auch das ein photo aus ner wegwerfkammera besser sein kann als eins aus ner 5dIII.

    Zum abschluss noch mein lieblingszitat:
    The best camera is the one you got with you!

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